Der freie Betriebssystem-Kernel von Linux hat es geschafft: Mit dem Einspielen eines neuen Treibers knackt das offene System erstmals die Marke von 20 Millionen Codezeilen. Der Meilenstein ist ein weiterer Erfolg auf dem Weg, Linux im privaten und geschäftlichen Umfeld zu etablieren. Im Gegensatz zu Windows und Mac OS X muss Linux allerdings noch einiges aufholen.

Der Pinguin

Tux ist ein unscheinbares Maskottchen – Mit einem runden Bauch und einem seligen Lächeln steht der Pinguin Pate für das Betriebssystem Linux. Seit Ende Juni 2015 (26.06.2015) ist der Gesichtsausdruck des Maskottchen noch ein bisschen auffälliger geworden. Der Grund: Mit der ersten Vorabversion des Linuxkernels 4.2 umfasst der Linux Code erstmals mehr als 20 Millionen Codezeilen. Die Bestmarke wurde außerdem in Rekordzeit gebrochen. Für die erstem zehn Millionen Zeilen Linux Code wurden 17 Jahre benötigt, für die nächsten zehn Millionen nur gut sieben Jahre.

Grafikkartentreiber durchbricht Codemauer

Auslöser für den sprunghaften Anstieg der Linux Code Zeilen war die bessere Integration der Grafikkartentreiber aus dem Hause AMD. User, die mit einer solchen Grafikeinheit arbeiteten, erlebten in der Vergangenheit häufig Kompatibilitätsprobleme. Mit dem Update auf den Linux-Kernel 4.2 sollen diese Probleme nicht mehr, beziehungsweise weniger auftreten. Dafür wurden dem Linux Code 420.000 Zeilen hinzugefügt. Insgesamt beinhaltet das Update einen Umfang von mehr als einer Million Codezeilen und gehört damit zu den größten je veröffentlichten Verbesserungen. Dennoch ist das offene und lizenzfreie System nur ein kleines Licht, wenn man die Zeilen des Linux Code mit anderen Betriebssytemen vergleicht. Zwar finden sich keine Daten zu den drei letzten Versionen von Windows, doch bereits das im Jahr 2001 erschienene Windows XP beinhaltet mehr als 40 Millionen Zeilen Code. Insgesamt nahm das Unternehmen aus Redmond einen enormen Aufwand auf sich, um das Betriebssystem auf diese Größe zu bringen. Waren es bei Windows 3.1 ca. 5 Millionen Zeilen Code, verzehnfachte sich die Anzahl bis Windows Server 2003.

Mac OS X ist groß, SAP ist größer

Doch selbst diese Zahlen erscheinen mickrig, wenn man auf das Betriebssystem der Apple-Computer Palette schaut. Mit Mac OS X 10.4 entwickelte Apple im Jahr 2005 sein hauseigenes OS nicht nur weiter, sondern spendierte ihm mehr als 86 Millionen Zeilen Code. Doppelt so viel wie bei der Konkurrenz von Windows und viermal mehr als aktuell bei Linux verwendet werden. Damit setzt sich Apple an die Spitze des Betriebssystem Dreikampfes, wenn man allein die Codezeilen mit einander vergleicht. Doch es geht noch größer, wie ein Blick in große Unternehmens-Systeme zeigt:

Die deutsche Firma SAP entwickelte mit NetWeaver eine Plattform für Geschäftsanwendungen, die für die komplette Struktur einer Firma einsetzbar ist. Wirklich beeindruckend wird es jedoch erst, wenn man die Codezeilen betrachtet. 238 Millionen Zeilen schrieben die Entwickler der Software und nehmen damit den Spitzenplatz im Betriebssystem-Ranking ein. Doch Linux muss sich nicht verstecken. Gerade im Consumer-Bereich stehen dem Kernel die Türen offen.

Goldene Zukunft in der Spielebranche

Vor einigen Jahren kündigte der Spielehersteller- und Vertreiber Steam an, künftig ein eigenes Betriebssystem auf Grundlage von Linux auf den Markt zu bringen. SteamOS ist bereits heute erhältlich und unterstützt eine Vielzahl von Spielen. Denn auch das ist die Zukunft von Linux: Immer mehr große Games werden für das offene Betriebssystem portiert. Die Datenbank an hochkarätigen Spielen wächst kontinuierlich und mit der Einführung der Steam-Machines, leistungsstarken Kompakt-Computern für das Wohnzimmer, wird die Verbreitung im Gaming-Bereich noch weiter voranschreiten. “Linux is the future for gaming” – dieser Satz von Valve-Chef Gabe Newell dürfte sich zum großen Zugpferd für das aufstrebende Betriebssystem entwickeln. Durch das Aufkommen von “Android” als Betriebssystem für mobile Smartphones stürmte Linux auch in diesen Bereich. Der Kernel, auf dem das Google-Betriebssystem beruht, besteht ebenfalls aus Linux Code. Auf den funktionierenden Kern setzte Android einfach weitere Funktionen drauf – sei es Telefonieren, das Installieren von Apps oder das Surfen im Internet. Jeden Tag werden eine Million Smartphones mit Linux in Betrieb genommen – Tendenz steigend. Die Projekte aus dem Hause Steam und Android zeigen, was mit Linux alles möglich ist. Linux ist schon lange kein System mehr, vorenthalten für Computerexperten. Dank verschiedener freier Betriebssysteme, die auf dem Linux Code aufbauen, wird der Umstieg von Windows und OS X zum Kinderspiel. Als Beispiel hierfür ist Ubuntu anzubringen. Das System wurde mit einem User Interface ausgestattet, das dem von Windows extrem ähnelt. Es gibt Programme, die mit einem Klick gestartet werden können und auch die Installation von weiteren Helfern ist so einfach, wie beim kommerziellen Bruder. Da jeder kostenfrei an die Betriebssysteme herankommt, könnte der Linux Code auch für die Entwicklung von armen Ländern eine bedeutende Rolle spielen.

Linux – digitaler Entwicklungshelfer

Davon sind auch Melinda und Bill Gates überzeugt, die sich mit ihrer Stiftung für die Verbesserung der Bildung in den ärmsten Ländern einsetzen. In einem offenen Brief machte Bill Gates (Mitgründer von Microsoft) klar, dass die Entwicklung des Bildungsstandards mit dem Aufkommen neuer Technologien in den armen Ländern rasend schnell voran gehen wird. Und Ubuntu auf Grundlage des Linux Code ist dafür das ideale Betriebssystem

  • Es ist schnell
  • Einfach zu erlernen
  • Läuft auch auf schwächeren Computern
  • Komplett kostenlos

Und so darf sich Tux auf weitere erfolgreiche Jahre als Maskottchen von Linux freuen. Der Linux Code wird in den nächsten Jahren stetig weiterwachsen, daran besteht kein Zweifel. Immer mehr Menschen werden Systeme nutzen, die auf Linux basieren. Die Erfolgsgeschichte, die im Jahr 1991 begann, ist noch nicht fertig geschrieben.

 

Bildquelle: Spectral-Design/Bigstock.com

Schlagwörter: 
Share →

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>