Die Rechenkraft aktueller Smartphones ist beeindruckend und sehr viel Potential bleibt ungenutzt, wenn sie als Telefon und Multimedia-Gerät eingesetzt werden – so weit, so bekannt. Der Mehrwert lässt sich bisher leider nicht zufriedenstellend nutzen. Jeder, der schon einmal eine Tabelle am 4-Zoll-Monitor vor sich hatte, weiß, dass sie zwar schnell berechnet wird, die Bearbeitung aber sehr umständlich ist. Maru OS setzt an dieser Stelle an und ermöglicht die nahtlose Verbindung zwischen mobiler und stationärer Arbeitsumgebung mit dem Computer in der Hosentasche – eine Aufgabe, an der große Software-Hersteller noch kontinuierlich arbeiten.

Der Telefon-Desktop: Android und Debian machen es möglich

Maru OS ist die Schöpfung von Preetam D’Souza: Ein Entwickler, der sich nicht damit abgefunden hat, dass in seinem Nexus 5 ungenutztes Potential brach liegt. Er hat sich die Verwandtschaft der beiden Linux-Systeme Android und Debian zu Nutze gemacht und die beiden zu einem mobil/stationären Betriebssystem verschmolzen. Hier die Fakten:
  • Mobiles System: Android 6.0 (ohne vorinstallierte Anwendungen)
  • Desktop-System: Debian 8 Jessie mit Xfce-Oberfläche
  • Veröffentlichung: Juni 2016
  • Erste stabile Version: 0.2.3
  • Website: http://maruos.com
Das Besondere hinter den Fakten ist, dass jedes Smartphone mit Maru OS das Desktop- und das Mobile System gleichzeitig betreiben kann, wenn es an einen Monitor oder HDTV angeschlossen wird. Während am Smartphone nach wie vor Android läuft, öffnet sich am Bildschirm eine vollständige Debian-Version. Gemeinsam mit einer Tastatur und Maus, die über Bluetooth verbunden werden, wird das Handy damit zum Telefon-PC-Hybriden.

Zwei Welten auf einem Gerät

Android und Debian teilen sich dank Maru OS die Ressourcen des Smartphones und laufen parallel: Mit der Redaktion telefonieren, während der eben gemachte Schnappschuss noch bearbeitet wird, kann einiges an Zeit ersparen. Diese Eigenschaft macht das Betriebssystem so einzigartig.
Demselben Ziel hat sich Microsoft mit dem Projekt ‚Continuum‘ verschrieben. Auch dabei soll der mobile Computer für den Desktop-Einsatz fit gemacht werden. Continuum bleibt allerdings auf die Welt der Universal Apps aus dem Windows Store beschränkt. Herkömmliche PC-Anwendungen bleiben ausgespart.
Preetam D’Souza zeigt, dass das nicht notwendig so sein muss. Mit seinem Betriebssystem stehen alle Apps aus dem Android-Ökosystem und jede Software, die unter Linux läuft, zur Verfügung. Ersten Anwender-Berichten zufolge kann ein Nexus 5 problemlos die 3D-Grafiksuite Blender oder das Bildbearbeitungsprogramm Gimp betreiben, während es als Telefon bereit steht.

Der volle Mehrwert eines Smartphones

Der Nutzen dieser Entwicklung liegt für Smartphone-Besitzer mit kleinem Budget auf der Hand: Die mobile CPU reicht völlig aus, um so manchen Laptop zu ersetzen. Die Einsatz-Szenarien, die durch den PC im Taschenformat möglich werden, sind vielfältig.
Maru OS kann für Unternehmen eine spannende Entwicklung darstellen. Anwender, die mit sensiblen Daten arbeiten, können vom Sicherheits-Aspekt des aufgewerteten mobilen Computers profitieren. Die Informationen am Smartphone stehen für Präsentationen und Bearbeitungen zur Verfügung und kommen nicht mit potentiell riskanten Rechnern in Verbindung – sie verlassen das eigene Gerät nie.
Sehr wahrscheinlich gibt es aber auch einige Anwender, für die bereits eine einfache Android-Version ohne Bloatware, die sich nicht entfernen lässt, attraktiv erscheint.

Betriebssystem mit Potential

Desktop-Smartphone-Hybrid: Maru OS verbindet die Geräte!

Desktop-Smartphone-Hybrid: Maru OS verbindet die Geräte!

Maru OS ist auf jeden Fall ein interessantes Konzept, das sich in kurzer Zeit vom Ein-Mann-Vorhaben zum viel beachteten Open-Source-Projekt entwickelt hat. Neben der Tatsache, dass es erstmals gelungen ist Android und Linux gleichzeitig nutzbar zu machen, ist die Entwickler-Gemeinschaft vor allem von der Einfachheit und Stabilität der Lösung beeindruckt.
Das Projekt befindet sich derzeit allerdings erst am Anfang. Die Beta-Test-Phase wurde eben abgeschlossen und alle, die über ein Nexus 5 verfügen, können Maru OS bereits als Custom ROM aufspielen – eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Installation ist am Blog des Entwicklers zu finden. Alle anderen müssen noch etwas warten. Es ist auf Grund der großen Resonanz aber anzunehmen, dass das Betriebssystem sehr bald für weitere Modelle verfügbar sein wird.
Die Software ist mit der Version 0.2.3 noch in einem sehr frühen Stadium. Einige Kinderkrankheiten werden in den kommenden Versionen noch ausgebügelt: Die GPU des Smartphones wird noch nicht voll genutzt und auch das Einhängen zusätzlicher Ordner ist unter Debian nur über Umwege möglich.

„The only PC you need is the one in your pocket“

schreibt Preetam D’Souza auf der Website zum Projekt. Obwohl die Hardware schon länger dazu in der Lage war, ist der Mehrwert eines Smartphones erst durch Maru OS auch tatsächlich verfügbar.

 

Bildquelle: bigstock-ID-128794970-by-peshkov

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