Microsoft verändert sich nachhaltig, ja, man könnte fast den Eindruck gewinnen, beim Softwareriesen aus Redmond soll alles Erdenkliche unternommen werden, um das in mehr als 2 Jahrzehnten ordentlich ramponierte Image wieder gerade zu rücken. Und zwar aktuell augenscheinlich in Sachen Open Source, ein Bereich, mit dem sich ein Unternehmen wie Microsoft verständlicherweise schwer tun dürfte – oder doch nicht? Denn – und hier müssen manche zweimal lesen – der Konzern bietet seit dem 9. Dezember nun Linux-Zertifizierungen für Admins an!

Microsoft bietet Linux-Zertifizierung

Microsoft bietet Linux-Zertifizierung

Genau genommen betrifft diese neue Zertifizierung Azure, die Cloud-Services-Plattform für Webanwendungen und Webdienste aus Redmond. Im Hinblick auf Azure-Entwicklungen können sich Admins nun als Certified Solutions Associate (MCSA) Linux on Azure zertifizieren lassen. Dieses Zertifikat ist Voraussetzung für das Microsoft Prüfung “Implementing Microsoft Azure Infrastructure Solutions” sowie für das LFCS-Zertifikat (Linux Certified System Administrator). Beide Prüfungen sollen zeigen, dass die Entwickler in der Lage sind, Azure in ein Linuxsystem zu integrieren und komplexe, cloudbasierte Linuxanwendungen zu entwickeln und zu pflegen und diese zusätzlich mit Funktionen von Azure auszustatten.Bislang gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass beide Kurse zusammengelegt werden sollen, was aber nicht weiter problematisch ist, da die Entwicklungsumgebung für Azure auf vielen betriebssystemunabhängigen Virtual Machines läuft. Einhergehend mit dieser neuen Zertifizierung erstreckt sich der Azure Support nun auf 8 Linux-Distributionen, zu denen openSUSE, Ubuntu, SUSE Linux Enterprise, CentOS, CoreOS und Oracle Linux gehören.

Open Source längst Partner

Allem Anschein nach blieb Microsoft zu diesem Schritt keine Alternative, denn mindestens eine von vier Azure Virtual Machines laufen bereits auf Linux und weit über die Hälfte sind es bei Azure Marketplace. Darüberhinaus werden gerade im mobilen Bereich und in der Cloudtechnologielinuxbasierte Lösungen mehr und mehr zum Tonangeber, weshalb sich Kooperationen und Synergien mit Open Source für den Konzern schon mittelfristig auszahlen dürften, wenn der Konzern sich weiterentwickeln und auch langfristig ein bedeutender Player im Markt bleiben will. So half die Linux Foundation den Entwicklern im Konzern denn auch schon bei der Ausarbeitung dieser neuen Zertifizierung.Zudem hätten viele Unternehmen mittlerweile die Kostenersparnis durch cloudbasierte Lösungen erkannt. Azure sei dabei eine von vielen Technologien in einem Markt, der zusehends von Open Source Anbietern dominiert wird. Mit der Zertifizierung werde dabei das ohnehin seit Längerem reibungslose Zusammenspiels von Open Source und Azure weiter etabliert, wodurch man sich in Redmond selbstverständlich auch in Zukunft Marktanteile sichern möchte.

Am Ball bleiben

Endlich vorbei sind damit wohl die Zeiten, als Steve Ballmer, einst ehemalige Chef von Microsoft, noch von Linux als “Krebsgeschwür” schwadronierte. Oder als der Konzern seine Armada an Anwälten auf Open Source Projekte wie OpenSUSE wegen angeblicher Urheberrechtsverletzung losließ.Heute hingegen wird das Geschäftpotential neu bewertet, mit dem Ergebnis, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen Closed und Open Source für beide Seiten eine Win-Win-Situation darstellt. In Redmond betrachtet man die Linux Foundation sowieso als führenden Interessenvertreter im Open Source Bereich. Aufgrund ihrer Bedeutung und des allseitigen Bedürfnisses nach professionellen und plattformunabhängigen Zertifizierungen habe man sich deshalb dazu entschieden, diese neue Zertifizierung anzubieten. Von einer allgemeinen Akzeptanz gehe man aus, denn in den heutigen IT-Infrastrukturen bedarf es immer häufiger ausgewiesener Fachleute, die mit derartigen Zertifikaten ihre Expertise belegen wollen und müssen.

So gehe es bei dieser neuen Zertifizierung vor allem um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit: Zum einen um die von Microsoft selbst. Zum anderen um die der vielen Fachleute, die ihren Wettbewerbern mit diesem neuen Zertifikat in einer angesagten Technologie wieder einen Schritt voraus sein werden. Das Kriegsbeil zwischen Closed und Open Source jedenfalls scheint auf lange Sicht begraben zu werden, und vielleicht kommt in ein paar Jahren ja die erste Linux-Distri aus Redmond…

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